Gedankenfrüchte
Gedankenfrüchte

Drabbles

Drabbles sind Texte mit exakt 100 Wörtern, wobei die Überschrift NICHT mitzählt. Es macht richtig Spaß, ein Drabble zu schreiben, weil man an den Worten bzw. den Sätzen "rumschrauben" muss, bis es passt.

 

Wir saßen beim Frühstück. Mein Vater ließ goldglänzenden Honig auf mein Butterbrot tröpfeln. Mir lief das Wasser im Mund zusammen.

Plötzlich deutete er aus dem Fenster.

„Schau mal, da läuft die Gertrud wieder zum Bahnhof. Sie hofft, dass ihr Mann heute kommt.“

„Und, kommt er?“ 

Ich streckte mich, um besser sehen zu können.

„Nein, er kommt nie mehr, ist im Krieg gefallen. Doch sie glaubt das nicht. Deshalb läuft sie seit vielen Jahren jeden Tag zum Bahnhof!“ 

„Heute kommt er, ganz bestimmt!“, schrie sie und stach ihren Gehstock in die Luft.

An diesem Morgen schmeckte mein Honigbrot anders als sonst.

 

 

Die Sommerhitze war drückend. Erschöpfte Bauern fuhren die Tagesernte zu ihren Höfen. Unruhig schlugen die Kühe mit ihren Hörnern an die Holzvertäfelungen und warteten darauf, gemolken zu werden.  Bald war aus der Ferne ein Grollen zu vernehmen, das anschwoll und mit einer schwarzblauen Wolkenwand auf sie zukam.

Der Wind gewann rasch an Kraft. Die Frauen zogen flatternde Wäschestücke von den Leinen, trieben heulende Kinder ins Haus und verschlossen Türen und Fenster. 

Minutenlang beherrschten Blitz und Donner das Dorf. Dann entluden sich die Wolken. Gewehrkugelartig prasselten Hagelkörner auf die Dächer, doch lauter pochten die Herzen der betenden Dorfbewohner. 

Sie wurden erhört!

 

 

Ein längst bereuter Wunsch.

 

Ich liebte das Leben. Ich hatte genug Geld, eine tolle Frau und drei gesunde Kinder.

Da lag eine Frau im Straßengraben, schmutzig, ausgemergelt, mit einem wimmernden Säugling im Arm und streckte mir ihre bettelnde Hand entgegen. Mir blutete das Herz, deshalb drückte ich ihr einen Geldbetrag in die Hand, der mir nicht weh tat, sie aber ein paar Monate davon leben könnte.

„Gütiger Herr, wünsch dir was!“ hauchte sie.

„Ich würde gerne ewig leben.“

Erschrocken schaute sie mich an.

„Ewig bedeutet unendlich, bist du dir da sicher?“

Ich nickte.

Sie wurde 1356 als Hexe verbrannt und ich lebe heute noch.

Eine Homepage ist nie "fertig".

Sie ist in ständigem Wandel. So gibt es bei jedem Besuch immer wieder was Neues zu entdecken.

 

Z.B. unter Inspirationen, meine Fotos.

 

 

 

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© Beate Treutner